Analyse: Ist die Aktie von Apple unterbewertet?

Der erste Eindruck


Apple ist heute das wertvollste Unternehmen weltweit, gemessen an der Marktkapitalisierung. Diese beträgt über 917 Milliarden USD. Damit liegt Apple noch vor anderen Schwergewichten wie Google (732 Mrd), Microsoft (655 Mrd) und Amazon (552 Mrd).

Die Aktie von Apple ist zwar nicht günstig bewertet, aber auch nicht so teuer wie einige der Aktien von Konkurrenten. Die Zahlen von Apple überzeugen in mehreren Bereichen. Das Unternehmen weist eine hohe Liquidität auf. Dazu kommt einen hohe Nettomarge in den letzten zehn Jahren. Auch die Eigenkapitalrendite und der starke Cashflow können sich sehen lassen. Dennoch gibt es auch bei Apple einige Risiken zu beachten.

Wie ich in meinem früheren Beitrag "Wie man Geld mit Aktien verdient" schreibe, sollte man vor jedem Investment selbst die Hausaufgaben machen. Als Alternative kann man diese auch an einen Experten delegieren. Meine Analyse soll nicht als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten der Aktie verstanden werden.

Starke Performance


Der Preis der Apple Aktien ist in den letzten zwölf Monaten von 104.09 USD auf 174.67 USD gestiegen. Dies entspricht einem Kursanstieg von über 66.5% innert zwölf Monaten. In den letzten zehn Jahren betrug die Wertsteigerung über 619% von 24.28 USD am 13. November 2007 bis heute. Dies entspricht einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 21.8% pro Jahr.

Chart der Preisentwicklung von Apple in den letzten 12 Monaten
Preisentwicklung von Apple in den letzten 12 Monaten

Qualität des Apple Geschäftsmodells


Bevor man sich überlegt über Aktien einen Teil eines Unternehmens zu kaufen, ist es wichtig zu definieren, was ein erfolgreiches Unternehmen ausmacht. Ein Hilfsmittel, welches ich gerne dafür verwende, sind die fünf Einflussfaktoren, die von Michael E. Porter definiert wurden:

  1. Rivalität unter Mitbewerbern
    Sowohl im Hardwaregeschäft als auch im Sofwaregeschäft herrscht ein grosser Wettbewerb. Apple ist es bis jetzt mit seiner Marke jedoch gelungen, sich in diesem kompetitiven Markt eindrücklich zu behaupten.

  2. Bedrohung durch neue Anbieter
    Gerade im Smartphone Markt gibt es immer wieder neue Anbieter, welche versuchen ihren Marktanteil zu steigern. Beispiele wie Nokia und Blackberry haben eindrücklich gezeigt, wie schnelllebig dieses Geschäft ist. Auch hier konnte sich Apple bisher gut durchsetzen. Dennoch bleibt der ständige Innovationsdruck ein Risiko für Unternehmen wie Apple.

  3. Verhandlungsmacht gegenüber den Lieferanten
    Apple benötigt für die Hardware Lieferanten, welche z. B. iPhones, Tablets etc. zusammenbauen. Unter den Zulieferern existiert ein hoher Konkurrenzkampf und Verdrängungswettbewerb. Dies kommt Apple bei Preisverhandlungen gegenüber Lieferanten zugute.

  4. Verhandlungsstärke gegenüber Abnehmern
    Apple ist es bisher oft gelungen, vergleichsweise hohe Preise und damit auch hohe Margen gegenüber der Kundschaft durchzusetzen. Das iPhone X weisst eine Bruttogewinnmarge von rekordverdächtigen 64% auf. Auch das Vorgängermodell iPhone 8 lag bereits bei hohen 59%. Dazu kommt ein breit aufgestelltes Produkteportfolio von Geräten, welche gut aufeinander abgestimmt sind.

  5. Bedrohung durch Ersatzprodukte
    Apple bietet sowohl im Software- als auch im Hardwaresegment viele Produkte an, welche auch von Konkurrenten angeboten werden. Dennoch ist es Apple gelungen, eine treue Kundschaft aufzubauen. Viele empfinden es als unangenehm, sich an ein neues System gewöhnen zu müssen, was der starken Apple Marke zugute kommt. Dennoch bleibt die Gefahr, dass Kunden auf Konkurrenzprodukte umsteigen.

Zwischenfazit

Apple besitzt eine starke Marke. Die ständige Innovationskraft des Unternehmens sorgte bisher dafür, dass Apple sich im harten Konkurrenzkampf behaupten konnte. Weiter konnte das Unternehmen seine Marke und Marktmacht nutzen, um die Produktionspreise tief zu halten und hohe Margen zu verteidigen.

Trotzdem muss Apple ständig neue Innovationen bieten, um die Kundschaft bei Laune zu halten. Dies kostet Geld in der Forschung und Entwicklung sowie im Marketing. Dazu bleibt das Risiko bestehen, durch andere innovative Anbieter in Bedrängnis zu geraten. Die hohe Liquidität und Marktkapitalisierung kann helfen, um sich auch weiterhin gegen Konkurrenten zu behaupten.

Was man bei Apple für sein Geld bekommt


Apple ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gewachsen. Die Gewinne pro Aktie erhöhten sich in acht von zehn Jahren. Der Buchwert stieg sogar in zehn von zehn Jahren.

Aus der Perspektive eines Value Investors ist Apple allenfalls fair, aber nicht mehr günstig bewertet. Vergleicht man Apple jedoch mit Google, Microsoft und Amazon, sieht man, dass diese noch deutlich höher bewertet sind.

Kursgewinnverhältnis (KGV)

Das KGV gibt einen ersten Hinweis dafür, wie profitabel eine Investition ist bzw. wie viel Gewinn man für den bezahlten Preis erwarten könnte. Momentan erwirtschaftet Apple 9.21 USD pro Aktie. Beim aktuellen Preis von 176.24 USD entspricht dies einem KGV von rund 19.

Ein KGV von 15 und tiefer wäre in dieser Industrie eher günstig. Ein KGV von 25 oder höher ziemlich teuer. Somit ist Apple mit Bezug auf das KGV zwar nicht günstig, aber auch nicht überteuert. Zum Vergleich hier eine kleine Tabelle mit den KGV-Zahlen einiger Konkurrenten:

Unternehmen KGV          
Google  35
Microsoft 28
Amazon 285
Samsung Electronics 13

Kurs-Buchwert-Verhältnis (P/B Ratio)

Das P/B Ratio liefert einen Anhaltspunkt welche Substanz bzw. welche Sicherheit man für den bezahlten Preis erhält. Aktuell liegt der Buchwert pro Aktie bei 26.11 USD. Das heisst für jede Aktie, welche Sie besitzen, gehören Ihnen 26.11 USD des Eigenkapitals von Apple. Beim Preis von 176.24 USD entspricht dies einem P/B Ratio von 6.74.

Günstig ist dies nicht, da Sie für jeden USD, welchen Sie erhalten 6.74 USD bezahlen müssen. Günstig wäre ein P/B Ratio von 1.5 oder tiefer. Zu einem solchen P/B Ratio gibt es momentan nur wenige namhafte Unternehmen zu kaufen.

Unternehmen P/B Ratio 
Google  4.62
Microsoft 7.22
Amazon  22
Samsung Electronics  2.14

Kombination von KGV und P/B Ratio

Wenn man stark vereinfacht davon ausgeht, dass ein Unternehmen mit KGV 15 und tiefer und einem P/B Ratio von 1.5 und tiefer günstig bewertet sind, kann man diese beiden Werte kombinieren, indem man sie miteinander multipliziert. Dies ergibt ein Kobiniertes Ratio von 22.5.

Apple hat ein kombiniertes Ratio von 128.06 (KGV 19 x P/B Ratio 6.74). Auch für die Vergleichsunternehmen habe ich diese Kennzahl errechnet:

Unternehmen KGV x P/B
Google  161.70
Microsoft 202.16
Amazon  6270.00
Samsung Electronics  27.82

Weitere Kennzahlen und wichtige Faktoren


Das KGV und P/B Ratio können bestenfalls der Start einer Fundamentalanalyse sein. Deshalb möchte ich noch auf folgende Kennzahlen eingehen:

Liquiditätsgrad

Der Liquiditätsgrad ist das Verhältnis zwischen den liquiden Mitteln und den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Mein idealer Massstab ist ein Verhältnis von 1.5 oder höher. Das würde bedeuten, dass ein Unternehmen 1.5-mal so viel Liquidität hat, als kurzfristig benötigt wird, um die anfallenden Verbindlichkeiten zu bezahlen.

 

Apple weisst einen Liquiditätsgrad von 1.28 auf. Dieser ist zwar knapp unter dem Optimum, aber noch weit entfernt von einem problematischen Niveau.

Verschuldungsgrad

Beim Verhältnis zwischen der Verschuldung und dem Eigenkapital einer Firma, ist ein Verhältnis von 0.5 oder weniger ein sehr guter Wert. Dieser würde bedeuten, dass die Firma doppelt so viel Eigenkapital besitzt, wie sie Schulden hat.

 

Apple weisst eine Verhältnis von 0.86 auf. Dieses ist zwar leicht höher, als mein optimaler Wert, ist jedoch aufgrund der hohen Liquidität von Apple nicht als grosses Risiko zu werten.

Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite zeigt, wie profitabel ein Unternehmen mit dem Geld wirtschaftet, welches es im Unternehmen behält, statt dieses z. B. in Form von Dividenden an die Eigentümer auszuschütten.

 

Apple weist mit über 36% eine hohe Eigenkapitalrendite auf. Dies heisst, dass es Apple gelungen ist auf die Gewinne, welche im Unternehmen behalten wurden, eine Rendite von über 36% zu erwirtschaften.

Nettomarge

Anhand der Nettomarge kann man sehen, wie viel einem Unternehmen vom Umsatz noch bleibt, nachdem alle Kosten abgezogen wurden.

Auch hier deutet eine Nettomarge von durchschnittlich über 21% darauf hin, dass es Apple konstant gelingt, profitabel zu wirtschaften. Dies liegt unter anderem daran, dass Apple, vergleichsweise hohe Preise verteidigen und die Produktionskosten tief zu halten kann.

Umsatzwachstum

In acht der letzten zehn Jahre steigerte Apple den Umsatz. Dies deutet unter anderem darauf hin, dass das Geschäft einerseits krisenresistent ist und andererseits konstant eine hohe Nachfrage aufweist.

Entwicklung des Buchwertes

In den letzten zehn Jahren ist der Buchwert von 3.39 USD auf 26.11 USD gestiegen. Dies entspricht von einem durchschnittlichen Wachstum des Buchwertes von über 22.6%. Dazu kommt, dass der Buchwert in dieser Periode in keinem einzigen Jahr gesunken ist.

Cashflow

  • Operativer Cashflow
    Im Vergleich zu den beiden Vorjahren stagnierte der operative Cashflow. Dennoch ist der operative Cashflow positiv und das Unternehmen verdient mit dem operativen Geschäft Geld.
  • Cashflow aus Investitionstätigkeit
    Der negative Cashflow aus Investitionstätigkeit zeigt, dass Apple weiterhin in die Infrastruktur und strategische Akquisitionen investiert, um das laufende Geschäft zu erhalten und auszubauen.
  • Cashflow aus Finanzierungstätigkeit
    Apple bezahlte Schulden zurück, gab Geld aus für Rückkäufe eigener Aktien und bezahlte auch Dividende an die Aktionäre. Dadurch entstand ein negativer Cashflow aus Finanzierungstätigkeiten, welcher jedoch langfristig den Aktionärinnen und Aktionären zugutekommen.

Zusammenfassung


Chancen:
Apple ist ein sehr profitables Unternehmen, mit einer starken Marke, einem diversifizierten Produkteportfolio und jeder Menge Liquidität. Solange es Apple gelingt seine Margen zu verteidigen und die starke Kundenbindung mit Innovationen aufrechtzuerhalten, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Apple eine Marktkapitalisierung von einer Billion USD erreicht.

Risiken:
Apple ist in einem sehr kompetitiven Marktsegment tätig, welches einen hohen Innovationsdruck aufweisst. Zudem ist der aktuelle Aktienpreis im Verhältnis zum Gewinn und Buchwert pro Aktie nicht unterbewertet. Somit ist ein gewisses Wachstum bereits im Aktienpreis berücksichtigt. Sollte dies tiefer ausfallen als erwartet oder lediglich erfüllt werden, könnte dies zu Korrekturen beim Aktienpreis führen.

Gerne beantworte ich Fragen zu Finanzthemen. Sollte Sie ein Thema oder Aktien einer Firma interessieren, senden Sie mir einfach eine kurze E-Mail oder kontaktieren Sie mich direkt über den Button unten. Ich werde Ihre Anfragen persönlich beantworten.

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