Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen im SMI

Die Top fünf Dividendentitel im SMI


Schaut man nur auf die Dividendenrendite, sieht die Liste der top fünf Dividendentitel im Swiss Market Index (SMI) zum aktuellen Kurs und mit den im Jahr 2017 ausbezahlten Dividenden wie folgt aus:

  1. Zurich Insurance Group 5.67%
  2. Swiss Reinsurance Company AG 5.22%
  3. Credit Suisse Group AG 4.41%
  4. Swisscom AG 4.35%
  5. UBS Group AG 3.83%

Disclaimer

Wie ich in meinem früheren Beitrag "Wie man Geld mit Aktien verdient" schreibe, sollte man vor jedem Investment selbst die Hausaufgaben machen. Als Alternative kann man diese auch an einen Experten delegieren. Meine Analyse soll nicht als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten verstanden werden. 

Liste der Dividendenrenditen im SMI


Rendite Unternehmen Aktienkurs* Dividende* Gewinn* Ausschüttung
5.67% Zurich N 299.80 17.00

21.04

80.80%
5.22% Swiss Re N 92.85 4.85 9.67 50.16%
4.41% Credit Suisse N 15.88  0.70 -1.27 n/a (negativ)
4.35% Swisscom N 505.50 22.00 30.97 71.04%
3.83% UBS N 16.98 0.65 0.84 77.38%
3.62% LafargeHolcim N 55.20 2.00 2.96 67.57%
3.56% Roche GS 230.10 8.20 11.13 73.67%
3.30% Novartis N 83.30 2.75 2.76 99.64%
3.28% Swiss Life N 335.70 11.00 27.26 40.35%
3.25% Adecco N 73.95 2.40 4.62 51.95%
3.05% ABB N 24.89 0.76 0.86 88.37%
2.92% SGS N 2400.00 70.00 71.53 97.86%
2.73% Nestlé N 84.40 2.30 2.75 83.64%
2.47% Givaudan N 2269.00 56.00 69.34 80.76%
2.36% Geberit N 423.80 10.00 14.85 67.34%
2.08% Richemont N 86.65 1.80 2.32 77.59%
2.03% Julius Baer N 59.00 1.20 2.84 42.25%
1.87% Swatch I 360.70 6.75 10.68 63.20%
1.29% Sika I 7420.00 96.00 221.81 43.28%
1.12% Lonza N 259.90 2.92 5.27 55.41%

Legende zur Liste:
*in CHF pro Aktie, 
N = Namenaktien, I = Inhaberaktien, GS = Genusscheine

Nicht nur auf die Dividendenrendite achten


Bei einer Investition nur auf die Dividendenrendite zu achten, kann gefährlich sein und zu Enttäuschungen führen. Bei der Suche nach Aktien mit hohen Dividendenrenditen macht es daher Sinn auch andere Aspekte zu achten wie z.B.:

  • Gewinn- und Umsatzentwicklung des Unternehmens
  • Nachhaltigkeit der Dividendenausschüttungen
  • Kursschwankungen und ihre Ursachen
  • Die Ausschüttungsquote

Nachfolgend werde ich jeden dieser vier Aspekte erläutern und mit einem Praxisbeispiel und Zahlen veranschaulichen.

Gewinn- und Umsatzentwicklung


Ohne eine positive Gewinnentwicklung kann langfristig auch keine Dividende bezahlt werden. Auch eine stetige Steigerung der Dividende setzt eine stabile Gewinnentwicklung voraus. Ein Blick in die Erfolgsrechnung sowie die Geldflussrechnung der letzten Jahre kann sehr aufschlussreich sein. Ein Zeithorizont über die Dauer der letzten zehn Jahre scheint mir dafür angebracht. Dabei müssen folgende Fragen beantwortet werden:

  • Konnte das Unternehmen den Umsatz kontinuierlich steigern?
  • Ist der Gewinn pro Aktie von Jahr zu Jahr gestiegen?
  • Wurde der Gewinn aus dem operativen Geschäft erwirtschaftet?

Ein Unternehmen, welches keine Gewinne schreibt und Dividenden ausschüttet, greift die Substanz des Unternehmens an. Dies kann auch der Fall sein, wenn ein Unternehmen sinkende Gewinne verzeichnet und die Dividende gleich hoch bleibt oder sogar noch erhöht.

Beispiel Credit Suisse

Chart mit dem Credit Suisse Aktienkurs von November 2007 bis 2017
Credit Suisse Aktienkurs der letzten zehn Jahre

Mit einer Dividendenrendite von 4.41% liegt die Grossbank Credit Suisse in der vorgenannten Tabelle auf dem dritten Platz. Dennoch erstaunt die erfolgte Dividendenausschüttung.

Obwohl 2016 ein Verlust von CHF 1.27 pro Aktie resultierte, erfolgte Anfang 2017 eine Dividendenausschüttung von CHF 0.70 pro Aktie. Auch die Gewinn- und Umsatzentwicklung der letzten zehn Jahre hatten eher Gemeinsamkeiten mit einer Berg- und vor allem Talfahrt als einem Gipfelsturm.

Trotzdem die Credit Suisse das Kapital gut hätte gebrauchen können, um die Quote des «harten» Kernkapitals zu erhöhen, wurde solches von der Firma an die Inhaber ausbezahlt. Wie gut die Bank das Kapital für andere Zwecke hätte gebrauchen können zeigen auch die Sparmassnahmen beim Personal, durch Umstrukturierungen sowie durch Outsourcing, in den letzten Jahren und der Gegenwart.

Viele Aktieninhaber konnten mit der Kursentwicklung des Aktienkurses nicht zufrieden sein. Es scheint, dass die Dividende hauptsächlich als Beruhigungsmittel für jene beunruhigten Inhaber diente.

Nachhaltigkeit der Dividendenausschüttung


Es ist mir bewusst, dass die Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft ist. Dennoch kann mit einem Blick in die Vergangenheit eine gewisse Abwägung zwischen Chancen und Risiken erfolgen. Mit Nachhaltigkeit der Dividendenausschüttung meine ich die Möglichkeit, dass die Dividende auch in Zukunft gleich oder höher ausfällt wie in der Vergangenheit. Folgende Punkte können für diese Einschätzung hilfreich sein:

  • Ist das Geschäftsmodell stabil und krisenresistent?
  • Wie hoch sind die Nettomargen?
  • Wie viele Jahre in folge, hat das Unternehmen die Dividende erhöht oder mindestens gleich viel wie im Vorjahr ausbezahlt?

Eine hohe Dividendenrendite beim Kauf einer Aktie bringt nichts, wenn in den darauffolgenden Jahren die Dividenden gänzlich gestrichen werden.

Auch hier gibt es Ausnahmen, z.B. wenn das Unternehmen eine sehr hohe Eigenkapitalrendite (Return on Equity) aufweisst, d. h. das einbehaltene Kapital gewinnbringender einsetzen kann, als die Aktionäre, wenn sie dieses anderwertig reinvestieren würden.

Beispiel Nestlé

Chart mit dem Nestlé Aktienkurs von November 2007 bis 2017
Nestlé Aktienkurs der letzten zehn Jahre

Nestlé befindet sich in Bezug auf die Dividendenrendite von 2.73% in der unteren Hälfte der SMI-Aktien. Für langfristige Investoren dürften jedoch folgende Umstände interessant sein:

 

Nestlé ist es gelungen, seit 1959 die Dividende zu erhöhen oder mindestens gleich viel wie im Vorjahr auszubezahlen. Das heisst, wer in der glücklichen Lage ist Aktien von Nestlé seit 1959 zu besitzen, musste in den letzten 57 Jahren nie erleben, weniger Dividenden ausbezahlt zu bekommen als im Vorjahr.

Im Jahr 1959 kostete eine Nestlé Aktie CHF 1.36. Dies zeigt eindrücklich die Auswirkungen des Zinseszinseffekts auf langfristige Investitionen. Alleine die Dividendenrendite beim Kaufpreis von CHF 1.36 und der aktuellen Dividende von CHF 2.30 beträgt über 169% pro weiteres Jahr. Natürlich unter der Voraussetzung, dass die Dividende auch weiterhin mindestens gleich hoch bleibt oder sogar noch steigt. Dazu kommt ein Kursgewinn von über 607%. Dies entspricht einer zusätzlichen Wachstumsrate von immerhin über 7.5% pro Jahr.

Kursschwankungen und ihre Ursachen


Je tiefer der bezahlte Preis für eine Aktie ist, desto höher ist die Dividendenrendite, bei gleichbleibender Dividende. Es kann durchaus sein, dass es gelingt, Aktien von stabilen, guten Unternehmen zu sehr tiefen Preisen zu kaufen. Ein Beispiel dafür ist Finanzkrise und der Kursverfall zwischen 2007 bis 2009, welcher nicht nur bei angeschlagenen Unternehmen erfolgte, sondern auch bei Unternehmen mit krisenresistenten Geschäftsmodellen. Deshalb ist es wichtig herauszufinden:

  • Ist die hohe Dividendenrendite auf einen tiefen Aktienkurs zurückzuführen?
  • Hat das Unternehmen Probleme, welche zu einem Kursrückgang führten?
  • Falls ja, sind es nur temporäre oder sind es langfristige, strukturelle Probleme?

Fast immer gibt es eine Erklärung für Kursbewegungen. Wichtig ist die langfristige Bedeutung für das Unternehmen zu beurteilen. In der Finanzkrise fielen Aktienkurse von Finanzinstituten zu Recht, wie der Konkurs von Lehman Brothers und die Rettung diverser anderer Finanzinstitute zeigte.

Aber auch Kurse von Nahrungsmittelherstellern fielen. Dort lag die Ursache hauptsächlich im allgemeinen Marktumfeld begründet.

Beispiel UBS

Chart mit dem UBS Aktienkurs von November 2007 bis 2017
UBS Aktienkurs der letzten zehn Jahre

Um für etwas Abwechslung zu sorgen, habe ich mich bei diesem Beispiel für die andere Schweizer Grossbank entschieden. Die UBS schafft es mit 3.83% aktuell in die top fünf der höchsten Dividendenrenditen des SMI.

Bereits in meinem Artikel "Wie man Geld mit Aktien verdient" habe ich über den Kursverlauf der UBS-Aktie geschrieben. Dieser ist vom Höchstkurs von CHF 75.54 unmittelbar vor der Finanzkrise immer noch weit entfernt. Während der letzten neun Jahre bewegte er sich seitwärts und steht heute bei CHF 16.98. Mit diesem tiefen Aktienkurs erstaunt es nicht, dass es die Dividendenrendite der UBS in die top fünf des SMI schafft.

Die UBS hat viel dafür getan, um eine Stabilisierung sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn zu erlagen. Dennoch hat sich das Unternehmen noch nicht gänzlich von der Finanzkrise erholt. Dazu kommen fast schon in regelmässigen Abständen Bussen in Millionen- und Milliardenhöhe, welche die Erfolgsrechnung zusätzlich belasten. Diese Aspekte hatten ihren Einfluss auf den Aktienkurs. Solche Probleme können nicht gänzlich auf das schwierige Marktumfeld zurückgeführt werden. Auch andere Banken wie Wells Fargo oder J.P. Morgan Chase erlitten drastische Kursverluste in der Finanzkrise. Wie der nachfolgende Chart zeigt, liegen die Aktienkurse dieser beiden Konkurrenten heute sogar deutlich über dem erreichten Hoch, vor dem Absturz in den Jahren 2007 bis 2009. Vom ehemaligen Hoch vor der Finanzkrise ist die UBS hingegen noch über 344% entfernt.

Chart mit den Aktienkursen der UBS, Wells Fargo und J.P. Morgan Chase zwischen November 2007 und 2017
Vergleich UBS (orange), Wells Fargo (schwarz), J.P. Morgan Chase (blau)

Immerhin konnte die UBS 2016 einen Gewinn von CHF 0.84 pro Aktie verbuchen und musste somit für die Dividendenausschüttung nicht ihre Substanz angreifen. Aber diesem Gewinn steht einen Kurs von CHF 16.98 gegenüber. Damit beträgt das Kursgewinnverhältnis mehr als 20, was im Vergleich mit anderen Finanztiteln eher hoch ist. Solange die Gewinne sich nicht drastisch steigern, lässt dies auch für die unmittelbare Zukunft keine grossen Kursfantasien für die UBS-Aktien zu.

Die Ausschüttungsquote


Zum Abschluss möchte ich erläutern, was es mit der Ausschüttungsquote auf sich hat. Die Ausschüttungsquote zeigt auf, wie viel Prozent vom Gewinn für die Dividendenzahlung verwendet werden musste. Je höher die Ausschüttungsquote, desto weniger vom Gewinn bleibt im Unternehmen, um weitere Investitionen zu tätigen, das Geschäft auszubauen und somit zu wachsen.

Es gibt Situationen, in welchen eine hohe Ausschüttungsquote sinnvoll ist. Zum Beispiel, wenn das Unternehmen Schwierigkeiten hat, das vorhandene Kapital gewinnbringend einzusetzen. Statt dieses in das Eigenkapital einfliessen zu lassen und damit die Eigenkapitalrendite (Return on Equity) noch weiter zu verschlechtern, kann es sinnvoll sein, das Geld an die Aktieninhaber mittels Dividenden weiterzuleiten.


Ideal wäre eine tiefe Ausschüttungsquote trotz hoher Dividendenrendite, kombiniert mit einer hohen Eigenkapitalrendite. Es gibt wenige Unternehmen, welchen dieses Kunststück gelingt. Swiss Re zum Beispiel verfügt mit 50.16% über eine verhältnismässig tiefe Ausschüttungsquote. Trotzdem beträgt die Dividendenrendite 5.22%. Die Eigenkapitalrendite liegt aktuell bei knapp über 10%. Dies ist nicht übermässig hoch, aber auch nicht zu tief. Ob sich diese 10% kurzfristig halten lassen, ist jedoch nicht sicher. Die hohen Schadenssummen aufgrund der Hurrikane und Erdbeben im laufenden Jahr dürften ihre Spuren auch in der Erfolgsrechnung hinterlassen.

Beispiel Zurich Insurance

Chart mit dem Zurich Insurance Group Aktienkurs von November 2007 bis 2017
Zurich Insurance Group Aktienkurs der letzten zehn Jahre

Die Zurich Insurance Group hat es mit hohen 5.67% auf den ersten Platz der Dividendenrenditen im SMI geschafft. Dies erzielte sie jedoch mit einer ebenfalls hohen Ausschüttungsquote von über 80%. Das bedeutet, dass weniger als 20% vom erwirtschafteten Gewinn im Unternehmen verbleibt.

Dies erstaunt in sofern nicht, weil die Leitung unter CEO Mario Greco den Erfolg unter anderem an der Eigenkapitalrendite misst. Diese errechnet sich als Reingewinn durch das Eigenkapital. Wenn weniger vom Gewinn ausbezahlt würde, hätte dies zur Folge, dass das verbleibende Kapital in das Eigenkapital fliesst. Wenn bei gleichbleibendem Reingewinn das Eigenkapital steigen würde, hätte dies negative Konsequenzen für die Eigenkapitalrendite.

Aus der Sicht eines Investors wäre es interessanter, wenn die Eigenkapitalrendite hoch wäre, weil der Reingewinn gestiegen ist und nicht weil das Eigenkapital bewusst tief gehalten wurde. Kurzfristig hat die hohe Dividendenrendite die Anleger erfreut und zu einer Steigerung des Aktienkurses geführt. Es wird jedoch spannend zuzusehen, ob diese Strategie auch langfristig und nachhaltig funktionieren wird.

Fazit


Die Zahlen jedes Unternehmens erzählen ihre eigene Geschichte. Nur auf eine Kennzahl wie die Dividendenrendite zu schauen kann kurzfristig für hohe Auszahlungen sorgen. Dividendenauszahlungen unterstehen jedoch der Einkommenssteuer. Ausnahmen wie jene aus Kapitaleinlagereserven bestätigen die Regel. Zudem ist eine hohe Dividendenrendite im Vorjahr keine Garantie für die nächste Auszahlung.

Kursgewinne sind für die meisten Privatanleger, welche in der Schweiz steuerpflichtig sind, steuerfrei. Bei der Auswahl der optimalen Investitionen gilt es daher die richtige Balance zu finden und diejenigen Unternehmen auszuwählen, welche möglichst viele der wirtschaftlich positiven Aspekte vereinen. Als Finanzberater und Vermögensverwalter führe ich deshalb vor jeder Investition eine eingehende Fundamentalanalyse durch und prüfe Unternehmen sowohl auf ihre quantitativen als auch qualitativen Qualitäten.

Gerne beantworte ich Fragen zu Finanzthemen. Sollte Sie ein Thema interessieren, senden Sie mir einfach eine kurze E-Mail oder kontaktieren Sie mich direkt über den Button unten. Ich werde Ihre Anfragen persönlich beantworten.

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