Welches ist die beste Säule 3a Vorsorgelösung?

Säule 3a Vorsorgelösungen


Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten in die Säule 3a einzuzahlen: Zinskonten, Wertschriftenanlagen und Versicherungslösungen. Welche dieser drei Vorsorgelösungen für Sie ideal ist, kommt im Wesentlichen auf Ihre Lebenssituation, Zukunftspläne und individuellen Wünsche an. Nachfolgend sehen Sie einige Beispiele, in welchen Situationen die jeweiligen Lösungen sinnvoll sein können.

Zinskonto

Ein Zinskonto eignet sich besonders, wenn eine baldige Auszahlung bevorsteht, z.B. zum:

  • Erwerb von Wohneigentum
  • Amortisieren einer Hypothek
  • Finanzieren einer Selbstständigkeit
  • Einkauf in die Pensionskasse oder zur Pensionierung
  • Auswandern

Wertschriften

Eine Wertschriftenlösung kann sich unter folgenden Umständen auszahlen:

 

  • bei einem langen Anlagehorizont
  • regelmässigen Einzahlungen 
  • keine unmittelbar bevorstehenden Auszahlung 
  • Fokus auf dem Wachstum des Vermögens

Versicherung

Versicherungslösungen sind vergleichsweise teuer. Sie können Sinn machen zur:

  • Absicherung der engsten Familie (Ehepartner/in und Kinder) bei einem Todesfall
  • Versicherung des Invaliditätsrisikos
  • Zur indirekten Amortisation der Hypothek

Für jede der drei Vorsorgelösungen gibt es zahlreiche Anbieter. Diese stehen im Wettbewerb zueinander und es lohnt sich, die Konditionen zu vergleichen. Jede Vorsorgelösung hat ihre Vor- und Nachteile. Mit der folgenden Grafik erhalten Sie einen ersten Überblick.

Übersicht über die Säule 3a Vorsorgelösungen mit den jeweiligen Vorteilen und Nachteilen

Vorsorgelösungen weisen oft von der Vertragsunterzeichnung bis zur Auszahlung eine lange Laufzeit von 30 oder mehr Jahren auf. Daher können bereits kleine Unterschiede bei den Zinsen oder Gebühren, eine grosse Wirkung auf Ihr Vermögen haben. Deshalb habe ich einige der attraktivsten Konditionen zusammengesucht, welche ich zum aktuellen Zeitpunkt finden konnte.

Vergleich von Säule 3a Zinsen


Beim Zinskonto ist der Vergleich denkbar einfach. Es gibt nur wenige Faktoren, welche hier aus finanzieller Sicht eine Rolle spielen:

  • Wie hoch ist der Zins?
  • Wie hoch ist die Teuerung?
  • Resultiert ein positiver Realzins?

Für die Berechnung des Realzinses muss die aktuelle Teuerung von 0.52% (bis November 2017) vom angebotenen Zinssatz abgezogen werden.

Anbieterin Zins Realzins
Banca dello Stato del Cantone Ticino 0.75% 0.23%
Credit Agricole 0.70% 0.18%
WIR Bank 0.60% 0.08%
Bank CIC (Schweiz) 0.55% 0.03%
Bank Sarasin & Cie 0.00% -0.52%

Ich habe mich auf diejenigen Anbieter beschränkt, welche noch einen positiven Realzins bieten. Zum Vergleich ist das tiefste Angebot abgebildet. Bei einem Zinssatz von 0.00% bleibt ein Kaufkraftverlust bzw. ein Realzins von aktuell -0.52%.

Empfehlung

Sollte eine Auszahlung der Säule 3a innert der nächsten fünf Jahre bevorstehen, macht ein Zinskonto durchaus sinn. Bei der Auswahl empfehle ich, vor allem auf folgende Faktoren zu achten:

  • Höhe des Zinses
  • Werden von der Anbieterin Bedingungen für die Eröffnung gestellt?
  • Verlangt die Anbieterin Gebühren für Wechsel oder die Auflösung?

Es gibt genügend Anbieterinnen, welche keine Bedingungen für eine Eröffnung des Säule 3a Zinskontos stellen und auch sowohl ein Transfer als auch eine Auflösung kostenlos ist.

Vergleich von Säule 3a Wertschriftenlösungen


Bei Wertschriftenlösungen ist der Vergleich bereits etwas komplexer. Folgende Faktoren sind entscheidend:

  • Aktive oder passive Verwaltung
  • Verwaltungskosten
  • Produktkosten
  • Ausgabe- und Rücknahmeaufschläge
  • Anlagestrategien

Bei aktiv verwalteten Anlagevermögen kümmert sich ein Anlageteam um den Kauf/Verkauf von Wertschriften. Dieser Aufwand muss vom Kunden jeweils bezahlt werden. Daher sind die Gebühren bei aktiv verwalteten Anlagevermögen oft deutlich höher als bei passiv verwalteten Anlagevermögen und betragen oft zwischen 1.5% und 2%.

Bei passiv verwalteten Anlagevermögen wird meist zuerst bestimmt, in welche Anlageklassen (Aktien, Obligationen, Immobilien, Rohstoffe, Liquidität) wie viel Prozent des Vermögens investiert werden soll. Danach wird mit Indexfonds die gewünschte Strategie umgesetzt. Die Kosten bei passiven Anlagestrategien sind beträchtlich tiefer und bewegen sich in der Regel zwischen 0.5% und 1%. Dennoch gibt es hier grosse Unterschiede, wie man in der folgenden Tabelle sehen kann. Für den Vergleich wurden ähnliche Strategien mit einem jeweiligen Aktienanteil zwischen 40% und 50% gewählt.

Anbieterin Gesamtkosten Verwaltung Produkt(TER) Ausgabe Rücknahme
VIAC
Global 40
 0.30% 0.52%* inkl.** 0.00% 0.00%
BKB Swisscanto
BVG 3 Index 45 R
0.86% 0.50% 0.36% 0.22% 0.02%
VZ Vermögens-Zentrum 0.88% 0.68% 0.20% 0.09% 0.01%
Credit Suisse
CSA Mixta BVG Index 45
0.90% 0.78% 0.18% 0.16% 0.05%
Postfinance
Pensio 45
0.90% inkl.** 0.90% 0.00% 0.00%

*fallen nur auf investiertes Kapital an, nicht auf die Liquidität

**Kosten sind in den Gesamtkosten bereits enthalten

Wie die Auflistung zeigt, ist es bei Wertschriftenlösungen nicht mehr ganz einfach einen Vergleich zu ziehen. Zusätzlich zu den Verwaltungskosten kommen oft noch Produktkosten sowie Ausgabe- und Rücknahmegebühren. 

Auffallend sind die tiefen Gesamtkosten von VIAC. Seit Ende November 2017 mischt das Start-Up Unternehmen VIAC den Anlagemarkt im Bereich der Säule 3a auf. Die günstigen Gesamtkosten von VIAC kommen wie folgt zustande:

  • Die Verwaltungsgebühren von 0.52% werden nur auf das investiere Vermögen (z.B. Aktien, Immobilien, Rohstoffe) erhoben.
  • Momentan verzichtet VIAC zum Beispiel bei der Global 40 Strategie darauf, in Obligationen zu investieren. Dies führt zu einer Liquidität von 47%.
  • Diese Liquidität wird nicht mit der Verwaltungsgebühr von 0.52% belastet, sondern von der WIR Bank zu 0.30% verzinst.
  • Zusätzlich dient die Credit Suisse als Depotbank für die Wertschriften und Anlageprodukte. Bei den eingesetzten Indexfonds der Credit Suisse fallen dadurch kaum zusätzliche Produktkosten (Total Expense Ratio) an.

Somit ergeben sich Gesamtkosten bei der Global 40 Strategie von 0.30%. Dies ist tatsächlich eine Neuheit. Denn bei allen anderen Lösungen bezahlt man die Verwaltungsgebühren auch auf die Liquidität. Vergleicht man beispielsweise die Gesamtkosten der hauseigenen Lösung von Credit Suisse mit jenen von VIAC, ergibt sich eine Kostendifferenz von 0.60% pro Jahr. Dies scheint zwar nicht gerade viel. Bei einer Anlagedauer von 35 Jahren macht dies wegen des Zinseszinses jedoch immerhin einen Unterschied von mehr als 23%. Dabei sind Ausgabe- und Rücknahmeaufschlag der Credit Suisse Lösung noch nicht berücksichtigt.

Empfehlung

Wenn Sie mit Ihrer Säule 3a eine lange Laufzeit vor sich haben, (mindestens 5 Jahre), kann sich eine Wertschriftenlösung lohnen. Für die Auswahl der Anbieterin würde ich Folgendes empfehlen:

  • Achten Sie auf die Gesamtkosten
    (Verwaltung, Produkt (TER), Ausgabe und Rücknahme).
  • Wählen Sie ein Strategie mit einem Aktienanteil, bei welchem Sie auch in einer vorübergehenden Börsenkrise ruhig schlafen können.
  • Zahlen Sie regelmässig z.B. monatlich einen gleichbleibenden Betrag ein. Somit profitieren Sie vom Durchschnittspreiseffekt, welcher langfristig bessere Renditen ermöglicht.

Rechenbeispiel für die Säule 3a Versicherungslösung


Versicherungslösungen im Bereich der Säule 3a bieten in der Form von gemischten Lebensversicherungen insbesondere folgende Vorteile:

  • Absicherung im Falle einer Invalidität
  • Sichern der finanziellen Verpflichtungen im Todesfall

Dazu ein aktuelles Rechenbeispiel:

  • Anlagedauer von 35 Jahren
  • jährlichen Einzahlungen von CHF 6'768.-
  • Kapital im Erlebensfall und Todesfall
  • 3 Monate Wartefrist für Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit
  • Anbieterin: Helvetia

Wer 35 Jahre lang CHF 6'768.- pro Jahr zahlt, hat im Erlebensfall CHF 236'880.- in die Lebensversicherung einbezahlt. Als Gegenleistung dafür ist man während der ganzen Vertragsdauer gegen die vorgenannten Risiken (Invalidität und Todesfall) abgesichert. Sollten die Schadenfälle nicht eintreten, kommt es nach 35 Jahren zu folgenden Zahlungen:

  • garantiertes Kapital im Erlebensfall/Todesfall CHF 197'929.00
  • voraussichtliches Überschussguthaben CHF 80'865.00

Die Versicherungsdeckung kostet also im vorgenannten Beispiel CHF 38'951.- oder ein Verlust von gesamthaft -16.44% bzw. -0.52% pro Jahr. Sollte das oben genannte, (nicht garantierte) Überschussguthaben ausbezahlt werden, resultiert eine Rendite von 0.47% pro Jahr.

Empfehlung

Die Rendite von Säule 3a Versicherungslösungen fallen eher gering aus. Anbieter von Lebensversicherungen bieten heute einen technischen Zinssatz von rund 0.25%. Davon werden Administrationsgebühren und Kommissionen abgezogen. Auch die Versicherungsprämie muss vom einbezahlten Betrag abgezogen werden. Der verbleibende Teil wird investiert, die Produktkosten und Renditeentwicklungen sind für Aussenstehende und Kunden oft kaum nachvollziehbar.

 

Persönlich bin ich von gemischten Lebensversicherungen am wenigsten überzeugt. Oft werden diese an sehr junge Personen verkauft, welche weder Ehepartner noch Kinder oder eine Hypothek haben, die abgesichert werden müssten. Ein objektiver Vergleich zwischen den drei Vorsorgelösungen findet oft nicht statt, da die Berater hohe Provisionen mit jedem Verkauf verdienen. Ein Vergleich findet höchstens zwischen verschiedenen Lebensversicherungen statt.

 

Sollten Sie tatsächlich die Risiken des Erwerbsausfalls bei Invalidität oder im Todesfall abdecken wollen, empfehle ich eine separate Lebensversicherung abzuschliessen und keine gemischte Lebensversicherung in der Säule 3a. So haben Sie die maximale Transparenz:

  • Sie wissen genau, welchen Betrag Sie für die Versicherungsleistung bezahlen.
  • Sie können immer noch vom Steuervorteil profitieren, indem Sie in ein Säule 3a Zinskonto oder eine Wertschriftenlösung einbezahlen.
  • Sie bleiben flexibel, wenn sie z.B. in einem Jahr einmal nicht einzahlen möchten oder können.

Fazit


Alle drei Vorsorgelösungen haben ihre Daseinsberechtigung. Wenn man sich für eine der Lösungen entschieden hat, lohnt sich jedoch ein Vergleich:

  • Schauen Sie sich die Zinsen an
  • Vergleichen Sie die Kosten
  • Fragen Sie bei Unklarheiten nach und bleiben Sie beharrlich

Als unabhängiger Finanzberater und Vermögensverwalter beantworte ich gerne Ihre Fragen zu Finanzthemen. Sollte Sie ein Thema interessieren, senden Sie mir einfach eine kurze E-Mail oder kontaktieren Sie mich direkt über den Button unten. Ich werde Ihre Anfragen persönlich beantworten.

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